Sebastian Kuboth leitet die Filmtouren. Auf Schautafeln zeigt er Szenenfotos.

A bisserl was geht immer...

  • Sebastian Kuboth organisiert Stadtspaziergänge zu Drehorten von Filmen und Fernsehserien in München. Mein München hat mit ihm gesprochen.

    Mein München: Warum ist Ihrer Meinung nach München als Drehort für Filmemacher so interessant?

    Sebastian Kuboth: Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Berlin die unangefochtene deutsche Filmhauptstadt und konnte mit den berühmten UFA-Filmen weltweit Erfolge feiern. Man muss sogar sagen, dass Berlin streckenweise ein starker Konkurrent zu Hollywood war. Als nach dem Krieg Berlin geteilt wurde, lagen die Babelsberger Studios plötzlich im Osten und die DDR drehte dort ihre DEFA-Filme. Der Westen musste ausweichen und forcierte im Laufe der Zeit immer mehr die bayerische Landeshauptstadt. Dort gab es mit den Bavaria Studios seit 1919 ebenfalls einen wichtigen Filmstandpunkt. Aufgrund mangelnder Alternativen wurde München zur westdeutschen Filmhauptstadt. Bis zum Fall der Mauer wurden unzählige westdeutsche Film- und Serienproduktionen in München gedreht. Auch wenn seit der Wende die Filmschaffenden wieder verstärkt nach Berlin gehen: München ist bis heute eine attraktive Filmstadt. Hier sind noch immer viele Filmfirmen, Fernsehsender und Filmschaffende angesiedelt.

    Mein München: München hat ja auch eine langjährige Krimi-Tradition. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?

    Sebastian Kuboth: Das hat meiner Meinung nach weniger mit der Stadt zu tun, als vielmehr mit der Leidenschaft des deutschen Publikums für Kriminalstoffe. Wie eben erwähnt, wurde München nach dem Krieg zu einer Filmhauptstadt. Aufgrund der Tatsache, dass bereits seit den 50er und 60er Jahren im deutschen Fernsehen unzählige Krimiserien gezeigt werden, wurde München notgedrungen parallel dazu zu einer Stadt, in der viele Kriminalstoffe gedreht wurden – sowohl hochdeutsche als auch bayrische.

    Mein München: Welche München-Serien schätzen die Teilnehmer Ihrer Gruppen am meisten?

    Sebastian Kuboth: Obwohl in München viele tolle Produktionen gedreht wurden, bekomme ich stets für die gleichen Serien Anfragen. Das sind fast ausschließlich „Monaco Franze“, „Die Hausmeisterin“, „Münchner Geschichten“ und „Meister Eder und sein Pumuckl“. Was ebenfalls ab und zu noch angefragt wird, ist die Paukerfilm-Reihe „Die Lümmel von der ersten Bank“, „Tatort“ oder auch “Derrick“ und „Löwengrube“. Besondere Highlights sind dabei schwer zu definieren, weil das jeweils von den Teilnehmern abhängt. Wer gerne „Die Hausmeisterin“ schaut, ist von den Drehorten und der dazugehörigen Führung ebenso angetan, wie jemand, der „Monaco Franze“ liebt. Trotzdem gibt es Unterschiede bei den Stadtteilen. Während Schwabing und die Innenstadt recht öffentlich, schon fast steril sind, bekommen die Teilnehmer in Stadtteilen wie Lehel oder besonders Haidhausen oftmals feuchte Augen, weil das Flair von Produktionen wie „Die Hausmeisterin“, „Münchner Geschichten“ oder auch „Meister Eder und sein Pumuckl“ heute noch allgegenwärtig ist. Das Besondere ist, dass diese Stadtteile in der Regel von Privatleuten bewohnt sind. Es handelt sich also nicht um öffentliche Plätze wie den Marienplatz, sondern um Seitenstraßen und fast versteckte Orte, die kaum jemand kennt und bei denen das „alte München“ noch erhalten geblieben ist.

    Mein München: Wieviele Teilnehmer umfasst die ideale Gruppe?

    Sebastian Kuboth: Kleine Gruppen sind ideal. Wenn ich mit einer Gruppe von ungefähr zwei bis sechs Personen unterwegs bin, kann ich am besten auf alle Fragen eingehen, die Tour kompakt und interessant gestalten. Das Schöne an dieser Gruppengröße ist, dass es weniger eine trockene Führung ist, sondern eher ein durchlaufendes Gespräch. Wir haben zwischen den Drehorten immer einen kleinen Fußweg zu überbrücken. Bei kleinen Gruppen kann ich weitere Hintergrundgeschichten erzählen, was bei großen leider nur bedingt möglich ist. Aber das kommt ganz auf die Situation an. Ich hatte auch schon genug Führungen mit 20 Personen, die hervorragend verliefen.

    Mein München: Passen Sie die Touren individuell den Vorlieben Ihrer Teilnehmer an?

    Sebastian Kuboth: Ja, das ist bei diesem Thema sehr wichtig. Es haben auch schon viele Leute an Führungen teilgenommen, die noch nie die Serie gesehen haben, zu der wir die Drehorte angeschaut haben. Trotzdem fanden sie die Führung spannend und unterhaltsam. Im Idealfall sollte man die Produktionen kennen, zu denen wir etwas anschauen. Aber genau das ist in der Regel die Intention der Teilnehmer: Man bucht eine solche Führung schließlich, um etwas über seine Lieblingsserie(n) zu erfahren und die Drehorte zu sehen. Von daher versuche ich stets, auf die Wünsche der Teilnehmer einzugehen. Jedoch muss man oft Abstriche machen. In zwei Stunden kann man beispielsweise nicht alle Drehorte seiner drei Lieblingsserien unterbringen.

    Mein München: Welche Serie ist ihr persönlicher Favorit?

    Sebastian Kuboth: Ich muss gestehen, dass ich fast alle bayrischen Serien ins Herz geschlossen habe. Eine Lieblingsserie von mir ist ganz klar „Meister Eder und sein Pumuckl“. Hinzu kommt „Monaco Franze“, „Die Hausmeisterin“ und „Löwengrube“.

    Mein München: Warum?

    Sebastian Kuboth: „Meister Eder und sein Pumuckl“ ist ein Steckenpferd von mir, mit dieser Serie bin ich aufgewachsen. Außerdem liebe ich das Milieu, das man in Haidhausen auch heute noch finden kann. „Monaco Franze“ kenne ich leider erst seit knapp acht Jahren – geniales Drehbuch, geniale Schauspieler, einfach tolle Serie. Bei der „Hausmeisterin“ ist es ähnlich wie bei Pumuckl – die Serie vermittelt ein unheimlich schönes und gemütliches Flair, es ist zudem ein tolles Schauspieler-Ensemble. „Löwengrube“ ist wegen der Kombination aus Fiktion und Geschichte spannend. Es gibt kaum etwas Spannenderes als Geschichte – in „Löwengrube“ wird die Zeit des späten 19.Jahrhunderts bis in die 50er Jahre recht authentisch und unterhaltsam dargestellt. Auch dort sind viele tolle Schauspieler mit von der Partie.

    Mein München: Kommen die Teilnehmer Ihrer Führung vorwiegend aus München oder auch aus anderen Städten?

    Sebastian Kuboth: Witzigerweise handelt es sich tatsächlich fast zu 90 Prozent nur um Leute aus München und Umland - was für mich als Franke gerade zu Beginn eine große Herausforderung war. Schließlich ist ein gewisses Grundwissen, was die eigene Stadt angeht, bei den Münchnern vorhanden. Der Vorteil aber ist, dass ich einen anderen Blick auf die Stadt habe. Dieser ist spannend und sorgt regelmäßig für tolle Reaktionen.

    Mein München: Woher haben Sie Ihr immenses Filmwissen?

    Sebastian Kuboth: Das habe ich mir in den vergangenen zehn Jahren angeeignet. Die Vokabel „mühsam“ habe ich bewusst weggelassen, weil unheimlich viel Leidenschaft dahinter steckt. Ich habe mit vielen Regisseuren, Kameraleuten und Schauspielern gesprochen. Ich recherchiere in Büchern wie Biographien, aber auch im Internet nach Informationen. Ich bin stets auf der Suche nach passenden Dokumentationen und TV-Berichten und liebe DVD-Audiokommentare, die es bei bayrischen Serien jedoch kaum gibt. Ich bin der Typ, der im Kino beim Abspann sitzen bleibt, um zu sehen, wer den Film synchronisierte oder wer in der Dankesliste erwähnt wurde, um fast unbekannte Zusammenhänge zu entdecken. Das Schöne ist, dass ich auch von den Teilnehmern meiner Tour ab und zu ergänzende Informationen bekomme. Ich habe auch schon viele Menschen kennengelernt, die in den Häusern der Drehorte wohnten und von den Dreharbeiten erzählen konnten. Während Anekdoten oftmals unaufgefordert auf mich zukommen, ist es so, dass ich manche Drehorte über lange Zeit suchen muss, bis ich weiß, wo diese sind.

    Mein München: Möchten Sie selbst mal Filme drehen?

    Sebastian Kuboth: Ursprünglich ja. Auch heute steckt dieser Wunsch in mir drin. Ich bin jemand, der sich nicht nur gerne mit bayrischen Stoffen beschäftigt, sondern auch selbst etwas auf die Beine stellt. Weil das Produzieren eines Filmes unheimlich teuer und schwierig ist, habe ich vor sechs Jahren eine günstige, aber trotzdem aufwändige Alternative gefunden. Ich habe begonnen, bayrische Hörspiele zu schreiben und zu produzieren. Hörspiele finde ich ebenso spannend wie Filme, von daher bin ich sehr glücklich, auf dieser Schiene arbeiten zu können. Film wäre aber auch etwas Spannendes, ich hätte entsprechende Ideen und mittlerweile auch eine einfache Kamera. Aber wenn, dann will man so etwas schließlich auch gut machen, von daher bin ich in diese Richtung noch nicht aktiv geworden.

    Mein München: Schmerzt es Sie, dass sich die ehemaligen Drehorte verändern – und irgendwann nicht wiederzuerkennen sind?

    Sebastian Kuboth: Ja, das ist ein trauriges Thema. Wie oben schon erwähnt, „entdecke“ ich oft noch Drehorte, die eigentlich gar nicht mehr existieren. Das schaffe ich mit Hilfe von alten Fotos, Filmen oder Serien, die ebenfalls in der gesuchten Ecke gedreht wurden. Noch trauriger ist es, wenn Drehorte, die ich schon seit Jahren bei meinen Führungen ansteuere und für Fans eine große Bedeutung haben, plötzlich abgerissen oder unkenntlich gemacht werden. Gerade bei alten Gebäuden fragt man sich dann oft, wieso das so einfach geht. Aber dafür ist es dann wieder besonders spannend, anhand meiner Dokumente nachzuzeichnen, wie sich dieser Drehort die letzten Jahrzehnte entwickelt hat.

    Mein München: Ist den Münchnern eigentlich bewusst, dass oft in ihrer Nachbarschaft Kultserien entstanden?

    Sebastian Kuboth: Das ist unterschiedlich. Ich hatte schon Teilnehmer, die fix und fertig waren, weil sie lange Zeit gegenüber eines wichtigen Drehorts ihrer Lieblingsserie wohnten und davon nichts wussten. Oder dass der Zahnarzt im gleichen Gebäude ist wie die ehemalige Detektei vom „Monaco Franze“. Ganz besonders schöne Momente sind Gespräche mit Anwohnern der Drehorte, die oftmals die Dreharbeiten live miterlebt haben. Das sind immer wieder herzliche Begegnungen, die ab und zu spontan während einer Führung geschehen. Manchmal muss ich aber die erstaunten Anwohnern erst darauf hinweisen, was alles vor oder vielleicht sogar in ihrer Wohnung gedreht wurde.

"Monaco Franze" empfiehlt...

Café Conditorei Münchner Freiheit –Dort gab es bereits in den 80ern einen
Stammtisch mit u.a. Helmut Fischer und Helmut Dietl. Mein Lieblingsort fürs
Sonntagsfrühstück. Münchner Freiheit 20,
Tel.: 089 / 3 30 07 99 10
www.muenchner-freiheit.de

Preysinggarten – Dort wurden Szenen z. B. für „Die Hausmeisterin” und „Monaco Franze” gedreht. Auch das Pumuckl Filmteam hat dort regelmäßig zu Mittag gegessen, vorzugsweise im immer noch urigen Biergarten. Preysingstraße 69,
Tel.: 089 / 6 88 67 22

Johanniscafe – Der schöne Raum wird aufgrund des alten Flairs (50er Jahre Tapete usw.) gerne als Drehort für Münchenfilme genutzt. Ich liebe dort die Schinkennudeln. Johannisplatz 15
Tel.: 089 / 48 01 24-0

Tattenbach in der Tattenbachstraße – Das beliebte Wirtshaus hieß zu Zeiten von „Münchner Geschichten” noch „Deutsche Weinstube”. Dort aß das Filmteam damals. Es gibt dort deftige Kost zu fairen Preisen. Tattenbachstr. 6,
Tel.: 089 / 22 52 68
www.tattenbach.de

Filmführung durch München

Wollen Sie auch an einer Filmführung teilnehmen? Wir haben alle Informationen für Sie zusammengestellt:

Informationen zu den Führungen und Preise: www.drehorte-muenchen.de

Mehr Informationen zu Sebastian Kuboth finden Sie unter www.sebastiankuboth.de

Sebastian Kuboth betreut auch eine Website zum Thema Film
und Fernsehen: www.tv-kult.com

Oder Rufen Sie Sebasitan Kuboth einfach an: Tel.: 089 / 33 03 53 48

Auschnitt aus dem Klassiker: "Monaco Franze"

Video: Filmstadt München